Das Geisterhaus (The House of the Spirits, 1993, Portugal/USA)

03.07.2012

Drama
Autor: Isabel Allende
Regie: Bille August ("Smilla's Sense of Snow")
Stars: Meryl Streep, Winona Ryder, Antonio Banderas, Armin Mueller-Stahl, Jeremy Irons

FilmdatenbankWikipedia

The House of the Spirits

Den Film soll man sich zweimal angucken. Das erste Mal, weil es zur Allgemeinbildung gehört, das bekannteste Werk von Isabel Allende zu kennen. Er ist gut genug einen zu motivieren, sich an die fast 600 Seiten heranzumachen und sie zu lesen. Dann wird es klar, wie abgemagert selbst eine gute Literaturverfilmung gegenüber Literatur ist. Das ist immer so: Es gibt sehr viele Details, die auf 600 Seiten beschrieben aber nicht dargestellt werden können. An der anderer Seite hat der Filmemacher die Chance, die Ambiente (hier etwa: Chile des 20. Jahrhunderts) authentisch darzustellen, wofür die Phantasie des Lesers selbst bei einer so hervorragenden Erzählung nicht ausreicht.

Beim ersten Anschauen ist die überreiche Geschichte eher verwirrend – beim zweiten werden erst die Zusammenhänge verständlich, nachdem man über die fehlenden Zusammenhänge gelesen hat. Vielleicht ist genau die Aufgabe der Literaturverfilmung: zum Lesen zu motivieren. Der Film ist nämlich ähnlich packend wie das Buch. Die herausragende schauspielerische Leistung von Meryl Streep (in Claras Rolle) hebt sogar die Schwäche von Esteban auf (im Film ist sein Charakter deutlich sanfter als im Buch, daher kommen einem die Antagonismen innerhalb der Familie nicht so krass vor). Férula (Glenn Close), Blanca (Wynona Ryder) und Pedro (Antonio Banderas) werden buchgetreu gespielt, selbst wenn viele Aspekte erst beim zweiten Anschauen (nach dem Lesen) klar werden. Schade, dass Armin Mueller-Stahl nur eine so kleine Rolle (Claras Vater) bekommen hat.

Ich habe auch noch ein drittes Medium hinzugezogen: Beim Hundeausführen höre ich die Geschichte als Hörbuch. Besser gesagt, als Hörspiel – hier ist die Abmagerung noch stärker und der Zusatzgewinn der bildlichen Darstellung entfällt. Aber als Einstieg, als Motivation zum Lesen ist es auch geeignet.

Isabel Allende gilt als linke Autorin. Beim Lesen kommt das schon heraus, selbst wenn ihr Weltbild deutlich differenzierter ist als man das von ihrem Ruhm erwarten würde. Zumindest am Anfang. Das Ende wird dann richtig leidenschaftlich: Die Darstellung erinnert stark an die Ostzeiten. Nach 40 Jahren DDR, 70 Jahren Sowjetunion und immer mehr werdenden Jahren Nordkorea ist es lächerlich, wie die Versorgungsmangel in Chile als Sabotage der Rechten von der Autorin gerechtfertigt wird.

Durch den deutschen Produzer Bernd Eichinger, als Vertreter des Neuen Deutschen Films, bekommt der Film einen deutlicheren achtundsechziger Anstrich als das Buch – aber das macht nichts. Er ist gut genug, um sich das leisten zu können.

Meine Bewertung auf der Skala zwischen 1 und 9 nach dem ersten Durchgang:

7

und nach dem zweiten (im Verständnis vieler Details):

9


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