Lila ákác (1973, H)

07.08.2012

Comedy
Autor: Szép Ernő
Regie: Székely István (Repülő arany)
Star: Halász Judit

port.hu

Lila ákác

Nicht „akác“ (was auf Ungarisch Akazie heißt, ein Baum), sondern „ákác“ – das ist was anderes, eine Kletterpflanze auf der Wand. Wer Szép Ernő aufmerksam gelesen hat, weiß das. Die Filmemacher haben das nicht; in der entsprechenden Szene besteigt der Protagonist einen Baum, um die Blume zu holen, was auch eine Akazie sein könnte. Auch das Schlusslied singt vom „lila akác“, also vom Baum, der aber keine lila Blüten hat.

Das ist aber nicht die einzige Veränderung im Film. Sie haben aus dem melancholischen Sehnsuchtsroman eine Komödie gemacht. Passt zur Ideologie der ungarischen Siebzigern: Die „Friedenszeiten“ (die letzten Jahre vor dem ersten Weltkrieg, die Blütezeit der Monarchie) waren nicht so böse, wie in den Fünfzigern dargestellt, wohl aber zu belächeln. Die ganze aufstrebende Mittelklasse mit viel Schein und wenig Sein (die „Gesellschaft“) ist nichts als komisch. Nicht aber im Roman: Dort ist sie zwar auch zu bemitleiden, aber wegen ihrer unerreichbaren (romantischen) Idealen. Auch aus der Protagonistin wird im Film eine Näherin (im Roman: „Herrentochter“) gemacht – sie steht näher zum Proletariat.

Sie wird von Halász Judit gespielt – sie ist süß, wie immer. Es ist auch erstaunlich, wie die erste Linie der gesamten ungarischen Schauspielergarde in jedem Film von damals aufmarschiert (Kazal László, Csala Zsuzsa, Hofi Géza, Kibédi Ervin, Koós János – um nur die zu erwähnen, die ich wahrgenommen habe), selbst wenn nur für eine Minirolle. Da waren die Dimensionen eines Filmbudgets (gemessen an Schauspielerhonoraren) anders als heute.
Der Film ist nicht schlecht, aber wird besser, nachdem man das Buch gelesen hat.

Meine Bewertung auf der Skala zwischen 1 und 9 beim ersten Mal:

5

und nach dem Lesen des Buchs

6


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