Dezember 2018

Aldous Huxley: Schöne neue Welt

Manchmal wundert es mich, was für ein Snob ich bin. Jetzt lese ich zum Beispiel Aldous Huxleys Schöne neue Welt. Ich hätte damit spätestens nach einem Viertel aufgehört, wenn es nicht die klassische Distopie wäre, wenn es nicht in der Liste der 1001 Books You Must Have Read Before You Die (oder so ähnlich) befände. Aber so habe ich weitergelesen. Vielleicht auch ein bisschen aus Bildungssucht: Ich wollte wissen, warum es trotz der Langeweile so berühmt geworden ist. Außerdem kam es schon etliche Male vor, dass ich mich in einem Buch bis zum Schluss durchkämpfte (z.B. Thomas Manns Doktor Faustus, oder aber auch Der Zauberberg, der langweiligste Roman der Weltgeschichte, den man aber nicht ablegen kann) und dann zum Schlüsselerlebnis wurde. Bei Huxley ist dies nicht der Fall: Bis zum Schluss langweilig, bis hin zu schwach. Beziehungsweise im letzten Viertel gibt es eine philosophische Exkursion über Freiheit, Ordnung, Gott und die Welt – ich kann nicht beurteilen, ob sie gut ist. Das Beste daran ist, dass es keine Konklusion gibt, also der Autor lässt alle Argumente offen und stellt nur fest, dass die Welt furchtbar sei (wie es einer Distopie gebührt).

Das einzige, was mir gefällt, ist seine politische Unkorrektheit. In der Neuen Welt gibt es – neben aller Disziplin – eine völlig freizügige Sexualität, deren zerstörerische Folgen ziemlich eindeutig erörtert werden. Familienbindungen fehlen völlig (da die Menschen aus der Retorte kommen), und das hat auch seine fatale Konsequenzen. So dass das Buch die Chance hat, aus der nächsten Ausgabe der 1001 Bücher gestrichen zu werden.


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