Buzz Aldrin von John Barnes: Begegnung mit Tiber (Encounter with Tiber, 1996)

Die intelligenteste Science Fiction, die ich je gelesen habe (sicherlich um die mehrere Tausend). Eine richtig unterhaltsame Fiction, aber dann die härteste Science – oder vielleicht spezifischer: Astronautik. Sie zu lesen begeistert einen, wie gründlich und umfassend die amerikanische Astronautenausbildung (zumindest von Buzz Aldrin, des zweiten Menschen am Mond) war. Das Buch ist fast so viel Wert wie ein Lehrbuch in Engineering Sciencences: Mit ausführlichen und exakten, dennoch für (interessierte) Laien verständlichen Beschreibungen aus dem Bereich Technik, Astronomie, Physiologie, usw. – alles, was einen Astronauten betrifft. Das alles eingebettet in eine richtig spannende, phantasiereiche Geschichte – ich wünschte, ich könnte das aus meinen ganzen Scifi-Ideen machen. Dabei scheinen immer wieder auch politische Kämpfe um das amerikanische Raumfahrtprogramm (projiziert in eine außerirdische Gesellschaft), aber auch die Rassenproblematik (wiederum projiziert in die außerirdische Gesellschaft) durch. Richtig klasse.

Das einzige, wo Buzz Aldrin keine Ausbildung bekommen hat, ist Informatik. Sonst hätte er seinen Himmelskörpern und Personen bessere (mnemotechnischere) Namen gegeben. So kommt man total durcheinander mit den selbstverständlicherweise außerirdisch klingenden Bezeichnungen von Planeten, Monden und Doppelsternen, sowie den Namen der Hauptdarsteller. Im interstellaren Raumschiff zu unserer Sonne sitzen acht Personen: vier Erwachsene, vier Kinder; vier männlich, vier weiblich (an der Stelle sind sie wie die Menschen); vier Palathanen, vier Sulathanen (die beiden Rassen bei den Fremden, sowas wie Weiße und Schwarzen bei uns, die gerade dabei sind, sich zu versöhnen). Das ist schön mathematisch, zumal zwei hoch drei ist acht. Aber alleine die beiden Rassen einzuordnen, wer über wen herrscht, dauert lange; es wäre sie vielleicht besser Albianer und Melutaner zu nennen – in Anspielung auf schwarz-weiß, oder ähnlich. Dann aber die 8 Personen auseinanderzuhalten, da braucht man Papier und Bleistift beim Lesen, um sich einen 2x2x2 Quader zu malen und die Namen hineinschreiben.

Wie es im Buch (unüblich bei Romanen) schöne technische Zeichnungen über den Aufbau der Raumschiffe und anderer Geräte, aber auch eine (sympathische) Abbildung der beiden Rassen zu finden ist. Leider keine über den Doppelstern mit dem Gasriesen, auf dessen Mondes zwei Kontinenten (alle haben unmerkbare Namen) sie beheimatet sind. Diese wird von einer (astronomisch exakt beschriebenen) kosmischen Katastrophe gedroht und deswegen suchen die 8 einen neuen Heimatplaneten in unserem Sonnensystem. Super Story.

Mein Leben als Leser hätte einfacher werden können, wenn z.B. die Namen der Palathanen mit Mitlaut, der Sulathanen mit Selbstlaut anfangen, die Namen der Frauen mit Mitlaut, der Männer mit Selbstlaut enden würde. Und die Kinder könnten z.B. ein Suffix -et tragen, die sie nach der Pubertät (in ihren Spätzwanzigern, mitten in der Sternreise, ebenso problematisch wie bei uns) ablegen.

Dies ist meine einzige Kritik. Und noch eine Sternkarte über das fremde Sonnensystem fehlt. Ansonsten: Die intelligenteste Science Fiction, die ich je gelesen habe.


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