14. Dezember 2016

Joyce Carol Oates: Im Zeichen der Sonnenwende [Solstice]

Ein äußerst weibliches Buch. Und furchtbar. Ein Mann hätte es nie schreiben können. Es beschreibt von innen, wie Frauen sind. Zunächst einmal eine Künstlerin (mit ihrem Gelaber über Kunst mit inhaltlosen Ausdrücken und nach Beliebigkeit ausgesuchten Worten – oder na gut, vielleicht bedeuten sie irgendetwas nach innen, aber wie die Schriftstellerin selber bekennt, dieses Etwas ist nach außen nicht verbal ausdrückbar). Und dann, eine Verletzte (Geschiedene), die doch (politisch korrekt) beweisen will, dass sie stark ist, dass sie überleben kann (das ist nicht die Künstlerin, das ist ihre Freundin, die von ihr abhängig wird). Und dann stellt sich heraus, dass nein, es klappt nicht, und das Ganze ist furchtbar. Aber mindestens auf dem selben hohem Niveau wie „Expensive People“.

Das sind zwei extreme Fälle. Die eine ist besonders zufrieden mit sich selbst und verhält sich, wie sie ist (zumindest für wie sie sich halten möchte) – alle, die damit nicht auch glücklich sind, sind selber schuld. Die andere ist zwar erfolgreich, doch voller Minderwertigkeitskomplexe und verhält sich so, wie sie meint, dass die Anderen das von ihr erwarten. So werden die beiden voneinander abhängig. Die Abhängigkeit mündet (auf politisch inkorrekte Weise, 1985 war das noch kein Kriterium für einen Bestseller) nicht in Lesbizität, wohl aber in einer (unausgesprochenen) Katastrophe.

Eigentlich sind das keine zwei Frauen, sondern eine: (fast) jede Frau (vermutlich auch die Schriftstellerin) vazilliert zwischen den zwei Polen und das macht sie so sprichwörtlich unberechenbar. Wie auch meine (zumindest für mich).


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