Dezember 2017

Isaac Asimov: The Exploding Suns

Mein Liebling-Science-Fiction-Autor verzichtet diesmal auf Fiction und bleibt bei der Science, zumindest weitgehend. Er gebraucht dabei jedoch hauptsächlich seine schriftstellerischen und weniger seine wissenschaftlichen Fähigkeiten, um ein wirklich lesenswertes Buch zu schreiben. Ich möchte seine echt gründlichen Recherchen nicht in Frage stellen, die bei weitem die der meisten populärwissenschaftlichen Verfasser übertreffen: Seine Daten sind offensichtlich zuverlässig, sehr detailliert und logisch ineinander gefügt. Wie weit sie vollständig sind, kann ich nicht beurteilen, aber an der Stelle kommt ein gewisser Verdacht hoch, ob sie vielleicht doch gefiltert sein könnten.

Nicht bei den historischen Erörterungen. Wie in wenigen vergleichbaren Büchern stellt er die Entwicklung der wissenschaftlichen Denkweise im Laufe der Geschichte dar. Wie werden aufgrund von Beobachtungen Theorien entwickelt, die dann durch weitere, gezieltere Beobachtungen und Messungen bestätigt, verworfen oder verfeinert werden? So logisch, so einleuchtend sind die Darlegungen, dass man den fließenden Übergang zur ideologischen Belastung nur sehr schwer merkt. Ich kritisiere an der Stelle gar nicht die gängigen Hypothesen über die Entstehung des Universums, des Sonnensystems, des Lebens, des Menschen, die ich persönlich doch in mancher Hinsicht in Frage stelle. Bloß seinen Anlass, das Buch zu schreiben: All das können wir den Supernovä („den explodierenden Sonnen“) verdanken – als ob deren Wirkung das Allerentscheidendste in der Formung des aktuellen Zustandes wäre. Dies wird natürlich nirgendwo behauptet, aber zum Schluss entstehen unbewusst doch der Eindruck und die Freude, dass das alles so einfach und gut verständlich wäre. Wie bei allen ideologisch motivierten Darlegungen. Zwar werden die Zweifel, die Kämpfe, die Irrwege in der Wissenschaft (hauptsächlich in der Astronomie) wie selten eingehend beschrieben, aber deren Auflösung und Perspektive suggerieren doch die Überzeugung, dass sie schließlich alle Fragen beantwortet und die entwickelten Modelle weitgehend die Realität beschreiben. Das kann ich gar nicht so direkt in Frage stellen, bloß die sich daraus ergebende Wissenschaftsgläubigkeit, die fast pflichtgemäß in unserer Zivilisation – nicht unähnlich der im Buch viel kritisierten Religion – gestreut wird.

Das Buch wurde 1985 veröffentlicht, ist daher in vieler Hinsicht schon von der Astronomie überholt, doch wahrscheinlich der beste (Neu-) Einstieg in diesen Wissenschaftszweig für einen interessierten Laien – vorausgesetzt, er liest es kritisch genug, um die speziellen Motivationen des Autors zu entdecken und zu durchblicken.


Stephen Hawking: A Brief History of Time

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