María Dueñas: Das Echo der Träume

Tiber

Ein Frauenroman aus der Zeit des spanischen Bürgerkriegs. Er ist mir zufällig in die Hände gefallen und der Klappentext hat mich angesprochen, wenn ich schon halb in diesem Land lebe. Frauenroman – gleich zu Anfang der Eindruck, und er bleibt bis zum Schluss. Noch mehr: TV-Serie. Die Geschichte wird genauso aus überraschenden, unwahrscheinlichen Begegnungen und Wiedersehen gewoben, die nötig sind, damit der Zuschauer (oder eher: die Zuschauerin) auch die nächste Fortsetzung einschaltet.

Gleichzeitig ein Bestseller, spannend, interessant, dass man in der Nacht keine Lust hat das Licht auszumachen, selbst wenn seine Frau neben einem jammert, dass es endlich dunkel wird. Darüber hinaus: Frauenroman. Sentimental, politisch korrekt, (da die Persönlichkeitsentwicklung der Protagonistin von genau der weiblichen Kraft, Verselbständigung und Wiederaufstehen getragen wird, wie die Feministen das fordern), unberechenbare Stimmungsänderungen, und so weiter – ich denke, Frauen gefällt das. Mir nicht.

Jedoch, meine Meinung über Frauenromane hat sich verändert. Bis jetzt hielt ich sie für flache, wertlose Werke und habe diejenigen ein bisschen verachtet, die so etwas auf dem Strand in der Hand halten („Lesefutter für den Urlaub” – sagt ja die Werbung). Jetzt aber habe ich erfahren, dass man Frauenromane auch auf hohem intellektuellem Niveau schreiben kann. Kein Wunder, die Autorin ist Professorin für Literatur, sie hat die Bildung und Gelehrtheit, den Roman mit sehr vielen interessanten und wertvollen (z.B. historischen) Hintergrunddetails zu bereichern. Sogar die Professionalität, um ein TV-serienartiges und Bestseller, trotzdem hochwertiges Buch zu schreiben. Es war richtig spannend, die Einzelheiten, über die ich bis jetzt keine Ahnung hatte, bei Wikipedia nachzuschauen. Beispielsweise war in meinen Augen Portugal immer ein deutlich ärmeres Land als Spanien. Und jetzt hat sich herausgestellt, dass während des zweiten Weltkriegs hier das Elend viel größer war (Lebensmittelkarten, usw.) als dort. Davon habe ich jedoch keine Spur bei Wikipedia gefunden, dass wahrscheinlich Franco das Land zum Blühen gebracht hat, auf ein viel höheres Niveau als Portugal (in die EU sind sie ja gleichzeitig eingetreten), weil diese Erkenntnis politisch inkorrekt ist – so bleibt sie nur meine Spekulation.

Ich überlege mir, trotz aller meiner Vorurteile auch die TV-Serie auf DVD zu kaufen, einfach zum Sprachenlernen (das wäre meiner erster solcher Kauf). Ich konnte jedoch nicht herausfinden, ob es dazu auch Untertitel gibt, weil so schnell die Spanier sprechen, können wir (noch) den Filmen nicht folgen. Freilich, wenn wir den Inhalt kennen, dann ist es leichter.


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