John Updike: The Witches of Eastwick

Glücklicherweise bin ich nicht religiös, sonst dürfte ich den okkult klingenden Roman „Die Hexen von Eastwick“ gar nicht lesen. Aber die Bibel sagt: „Alles ist erlaubt, nur nicht alles erbaut.“ Für mich gibt es andere Dinge, die mir zwar erlaubt sind, aber mich nicht erbauen. Also, nachdem mich des Autors Scifi „Toward the End of Time“ motiviert hat, habe ich mich an sein vielleicht bekanntestes Buch herangemacht. Wie erwartet, ein Stück hartes Brot. Aber es lohnt sich, sich durch jeden seiner Sätze durchzukauen – besonders in der hervorragenden Übersetzung des ersten frei gewählten ungarischen Staatspräsidenten Árpád Göncz (bekannter Schriftsteller wie sein tschechischer Freund Václav Havel, nur nicht so weltweit). Jeder der Sätze hat neben seinem oft schwer entzifferbaren Sinn einen erkennbaren Platz in der Geschichte. Beziehungsweise gar keine richtige Geschichte, eher nur eine Momentaufnahme über drei in extremem Maße amerikanische Frauen in einer (hypothetischen) Kleinstadt von Rhode Island. Auch extrem Frauen. Deswegen ist es so schwer zu lesen (besonders für einen Mann), weil alles so flattert, wie viele Frauen. Aber das Sensationelle ist, dass der Autor versteht, wieso, und das alles hat einen Sinn – normalerweise verborgen für einen Mann, aber der Autor scheint es kapiert zu haben. Und dazu noch hervorragend dargestellt.

Das Buch ist übrigens gar nicht so okkult, wie der Titel das suggeriert und wie der Zeitgeist das auch in die Verfilmung mit Michelle Pfeiffer und Jack Nickolson hineininterpretiert hat (die ohne deren Namen und Talent ein totaler Quatsch wäre – das Buch ist überhaupt keine Komödie). Die Frauen meinen zwar verschiedene Zauberkräfte zu besitzen, mit denen sie auch (oftmals getrieben von ihrem Frausein) agieren, aber der Autor hat es überhaupt nicht als wirklich gemeint – all das kann an der Grenze zwischen (ihrer verbalen) Realität, Wunschdenken, Klatsch, Träumen, (sexuellen) Fantasien und geschädigter Wahrnehmung (alles einleuchtend erklärt!) herumflattern, so wie ihre Gespräche, Gedanken, Empfindungen. Ein ganzes Stück besser kann ich jetzt meine eigene Frau verstehen – es hat mich also doch erbaut.

Lustig-traurig ist das Happy End; eher traurig, wie das ganze Buch. Alles ist Futilität, wie das ganze Leben in dieser verkorksten Kleinstadt, in der unbewältigbaren Spannung zwischen konservativer Bürgerlichkeit und dem Drang zu liberalem Modernismus. Lustig-traurig ist die säkularisierte Kirche und unverständlich, warum die 15 Besucher die völlig wirkungslosen, politisch motivierten pseudohumanistischen Predigten der Pfarrerin und die Laienpredigt mit dem Titel „Die Entsetzlichkeit der Schöpfung“ über sich ergehen lassen. Die für John Updike charakteristischen dazwischengeschobenen Naturbeschreibungen sind schwer zu lesen, besonders für einen, der keine Ahnung über die verschiedenen Garten- und Wildpflanzen und deren Schädlinge hat; aber deren Futilität fügt sich voll in das menschliche, lächerlich für wichtig gehaltene Tun und Lassen hinein. Auch die Zauberkräfte sind nur ein letzter, verzweifelter Versuch, aus dem ganzen Flattern herauszubrechen, was im Endeffekt nur zu einem entsetzlichen Elend führt. Vielleicht (denkt vielleicht auch der Autor) weil die Hinwendung zum Okkulten immer dazu führt.


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